Der Pudels Kern
Gemeinsam einsam?
Eher: in Gesellschaft mit seiner Gleichen.
Was für manche Menschen
irritierend klingt, klingt für introvertierte Menschen gar
nicht so abwegig.
Manchmal ist es der bekannte Charakterzug der Introvertierten oder einfach auch nur der innere Wunsch nach Ruhe, ohne sich gleich in den sozialen Rückzug zu begeben, der einen vielleicht vor dieser scheinbar paradoxen Frage stellt.
Es gibt verschiedene Gründe, weswegen sich ein Mensch auf die Suche nach einem passenden Ort der Ruhe begibt. Und sich oftmals mit den ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert sieht, wie ich in den letzten Jahren.
Entweder er ist nicht zeitnah zu erreichen oder in seiner persönlichen Umgebung einfach nicht vorhanden. Falls dann auch noch der Wunsch nach Geselligkeit aufkommt, wird es doppelt schwierig.
Ich bin seit Jahren auf der Suche nach einem Ort, der mir die Möglichkeit bietet, in Ruhe und für mich selbst, einer Tätigkeit nachzugehen und dabei in einer angenehm distanzierten, gesellschaftlichen Umgebung zu sein.
🚞 Mir kommt dabei manchmal der Gedanke an die
diversen Langstrecken Zugfahrten in den Sinn, die ich in meinem
Leben so hatte. In dieser Zeit konnte ich besonders fokussiert
Lernen und Arbeiten. Und, besonders gut Lesen. Zudem
profitierte ich von der neutralen Umgebung und der sich
wechselnden Gesellschaft um mich herum. Nicht selten kam hier
ein besonders interessantes und spannendes Gespräch auf einer
anonymen Basis zu Stande. (Es ist erstaunlich, wie schnell man
manchmal bereit ist, sich zu öffnen, wenn man weiß, dass man
seinen Gegenüber wahrscheinlich nicht noch einmal wieder sehen
wird.) Die Fahrzeit, die durch eine vorhandene
Organisationsstruktur für mich soweit planbar und übersichtlich
war, empfand ich zusätzlich als angenehm. Da ich mich nicht mit
den üblichen Dingen, wie bei mir Zuhause, ablenken konnte.
Zudem saß ich im Zug und konnte eh nicht weg. Diese Tatsache,
ließen die bekannten Inneren Dialoge mit meinem Kritiker von
Anfang an recht schnell verstummen. Er war stumm und ich hatte
meinen Frieden.
Aber immer auf Achse sein ist
teuer…daher:
Viele Menschen Lesen gerne, auch in Gesellschaft. Ob beim Warten, in der Straßenbahn, in der Bücherei, auf der Parkbank oder im Urlaub am Strand. Der Klassiker ist und bleibt aber das Café; mit all seinen Facetten und gesetzten Schwerpunkten.
Es gibt die klassischen Cafés, in dem man umgeben ist, von sich unterhalten Menschen, manchmal mit etwas lauterer Musik und mit dem bekannten Treiben drumherum. Aber auch oftmals mit einem gefühlten stechenden Blick des jeweiligen Gastronom kombiniert, der diese Leseratten bereits kennt – In der Regel lange Aufenthaltsdauer, aber minimaler Konsum - in Relation zur Zeit. Mir persönlich bereitete das häufig ein schlechtes Gefühl, weil ich ja quasi einen Platz blockierte und oftmals nicht für den gewünschten Umsatz sorgte. Ich fühlte mich dadurch nicht selten innerlich getrieben, was sich auf mein Lesevergnügen negativ auswirkte. Zudem war dieser Ort für mich nur an guten Tagen zum Lesen geeignet. Aber an Tagen, wo ich Ruhe benötigte, war dieser gänzlich ungeeignet. Obwohl diese Art von Cafés zahlreich vorhanden sind und ich diese auch persönlich sehr schätze, bieten Sie mir bei meinem Wunsch nach Ruhe nicht den geeigneten Rahmen.
Die Literaturcafés, mit dem Schwerpunkt auf Bücher und mit Literatur im Allgemeinen. Hier versammeln sich vermehrt die Menschen, die einfach gerne Lesen und sich vielleicht auch darüber austauschen möchten. Der Name ist Programm. Aber leider viel zu spezifisch und viel zu selten als „Café in der Nähe“ vorhanden. Viele Hobby-Leser sehen sich mit der raren Anzahl an Literaturcafé konfrontiert oder sehen es als allzu „ intellektuell“ an, so dass dies für sie keine Alternative zu sein scheint. Mir fehlte die Auswahl und die Erreichbarkeit, sowie meine persönlich gewünschte Struktur an Ruhe während des Aufenthalts.
Die klassische Parkbank verbindet: Naturerleben, Lesen und das Menschen-beobachten in einer simplen, aber dennoch effektiven Art und Weise. Wäre da nicht das Wetter und die dort oft fehlenden Annehmlichkeiten. Manchmal trottet man auch gefühlt eine Ewigkeit umher, bis man die passende Parkbank für sich gefunden hat. Manchmal sucht man auch hier seine Ruhe und Abgeschiedenheit. Obwohl das spontane Treffen von Bekannten oder Kennenlernen von neuen Menschen, das Sitzen-auf-einer-Parkbank oft begünstigt.
Kurz gesagt: es gibt viele Orte und Möglichkeiten um zu Lesen und gleichsam in Gesellschaft zu sein.
Aber mein Wunsch nach „diesem einen Ort der Ruhe“, treibte mich weiter umher.
Bis ich durch Zufall im Internet auf den Silent-Book-Club (http://silentbook.club) stieß und ich mich endlich verstanden und in Gesellschaft meiner Gleichen fühlte.